Haikus und Tankas, Jotin, 27.11.07: Die Erlenfrau zuerst “rauh wie Baumrinde”, doch auf einer anderen Ebene von engelhaftem Glanz und eine Fürstin des Landes!

Abendrot im November im Hochsauerland
513
Wolken kleiden sich
an November-Abenden
in Rosa und Rot!
514
Glutrot der Himmel
wie das Stammholz gefällter
Erlen am Wasser!
515!
Verzaubert bin ich
immer wieder vom rosa-
goldenen Himmel!
516!
Der Himmel schmückt sich
mit rosa Wolkenbändern
am frühen Morgen!
517
Gruppenweis´ recken
Fichten ihre Häupter in
mondhellen Himmel!
518
Berge, waldbedeckt,
wohin ich schau´. Im Talgrund
da rauschen Bäche!
519
Früher Herbst-Abend!
Wir wandern unter Erlen
am murmelnden Bach.
520
Die Füße sinken
ein in morastigen Grund
um Wasser-Lachen.
521
Aus düsterem Moor
leuchtet das Holz gefällter
Schwarz-Erlen blutrot!
I
Die Erle ist vor allem der schwarze Baum des stehenden Wasser oder gar Moores und wird auch als Wesen des Nebels erfahren. In Goethes Ballade “Erlkönig” wird ein Knabe, der in der Nacht mit seinem Vater auf einem Pferd unterwegs ist, vom Erlkönig umschmeichelt, mitzukommen und schließlich berührt. Mit einem Schrei auf den Lippen stirbt er. Wohl oder übel gehört er nun zur Schar des Erlkönigs und seiner Töchter.
Die Ballade soll auf das dänische Lied “Die Tochter des Elbenkönigs” zurückgehen, eine Auffassung, die aber auch angezweifelt wird:
Oluf begegnet bei einem nächtlichen Spaziergang Elben, die wie immer auf einer Wiese tanzen. Die Tochter des Elben-Königs lädt Oluf zum Tanz ein, aber er lehnt ab. Da gibt ihm das Elben-Mädchen einen Schlag aufs Herz, setzt ihn leblos und bleich in den Sattel seines Pferdes und schickt es nach Hause. Am nächsten Morgen soll Olufs Hochzeit stattfinden, aber seine Braut findet ihn tot. (Nach Jaques Brosse: Mythologie der Bäume, Walter Verlag, 1990)
Die australischen Ureinwohner, die Aborigines, sagen, dass in den Menschen die Seelen des Landes inkarnieren. Zu den Seelen des Landes gehören auch die Elben. Vor diesem Hintergrund kann die Tat der Elbenkönigin auch noch andere Ursachen haben als verletzter Stolz.
Wenn die Seele eines Menschen aus dem Elbenreich stammt, besitzt er in stärkerem Maße als andere die Gabe der Weissagung und auch noch andere Fähigkeiten.
Wie alte Mythen zeigen, gibt es auch die Erlen-Frau und es soll kein Zufall sein, dass die germanischen Worte für Elfen und Elben so ähnlich sind. Die Erlen-Frau soll Wanderern als verführerisch schöne Frau erscheinen. In der mittelalterlischen Sage von Wolfdietrich erscheint sie zunächst “rauh wie Baumrinde”, aber auf einer anderen Ebene ist sie von engelhaftem Glanz und eine Fürstin des Landes. (Nach Fred Hageneder: Geist der Bäume, Neue Erde Verlag GmbH, 2000)

Erlenholz, Schnittfläche
Erlen “bluten”. Bei Berührung mit Luft färbt sich ihr Saft rot.